Archiv für die Kategorie „Typisch ich!“
Kalter Kaffee
Eine weitere spracherzieherische Exkursion ereignete sich folgendermaßen:
Meine Schwägerin hat sich kaputt gelacht (was bei meinen oft auftretenden verständnislosen Blicken und Nachfragen nicht selten vorkommt), als wir in einer Gasstätte waren und sie sich mit ihrem Freund zusammen “Kalten Kaffe” bestellt hat. Mein Gesicht war ein einziges Fragezeichen und die Kellnerin sagte auch noch, dass gerade welcher kalt geworden sei, dann müssten sie nicht so lang warten. Meine Schwägerin und ihr Freund haben sich total darüber gefreut und noch ein bisschen über den Umstand gesprochen, den “Kalter Kaffee” so bereiten kann.
Als wir wieder ungestört am Tisch saßen, guckte ich sie mit krauser Stirn lange an.
Hä?
war erstmal alles, was ich hervorbrachte. Die Gedanken kreisten nur so in meinem Kopf. Warum in aller Welt bestellt man sich in einer Gaststätte kalten Kaffee? Den können sie von mir tonnenweise kostenlos haben, wenn ich die Reste vom Frühstück noch nicht weggeschüttet habe. Inklusive altem Kaffeesatz! Aber in einer Gaststätte! Das ist ja so, als wenn ich mir das Essen bestellen würde, was der Gast am Nebentisch nicht geschafft hat!
Äh … Steff … habt ihr euch jetzt echt kalten Kaffee bestellt? Warum denn keinen heißen, der wird doch eh von allein kalt …???
Noch im selben Moment, als ich die Frage stellte, wünschte ich mir, einfach den Mund gehalten zu haben, denn ein riesiges Gelächter brach aus.
Kennst du keinen “Kalten Kaffee”?
war die Frage.
Klar kenne ich kalten Kaffee, aber erstens schmeckt der nicht besonders gut und zweitens würde ich mir sowas nicht in einer Gaststätte bestellen! Das ist doch …. alt!
versuchte ich zu erklären.
Steff lief schon ganz rot an vor lauter Lachen und ich saß da wie die Kuh vorm Scheunentor und wurde immer verwirrter. Als sie sich wieder halbwegs beruhigt hatte, erklärte sie mir holprig, dass “Kalter Kaffee” nur ein umgangssprachlicher Begriff für ein Spezi sei, also Cola mit Orangenlimo.
Na wunderbar! Ich hatte mich also mal wieder völlig zum Deppen gemacht! Wieder was dazu gelernt.
Allerdings befürchte ich bei meinem Talent, dass ich, wenn ich in einer Gaststätte einen “Kalten Kaffee” bestellen würde, auch tatsächlich einen solchen bekäme!
Maibowle
Irgendwie kommt jetzt langsam wieder der Wunsch nach Sonne und Wärme durch. Ich freu mich schon seit Tagen auf den Mai, wenn es wieder Maibowle gibt und ich – vorausgesetzt Baby kommt pünktlich – ein Glas trinken kann.
Und als ich so von der Maibowle träumte, fiel mir der Tag ein, als ich hier zum ersten Mal “richtige”, also frische, selbstgemachte, Maibowle getrunken habe. Denn bis dato kannte ich nur die grünen Flaschen, die es immer in Berlin gab.
(Wer mich kennt, weiß, dass ich als ehemalige Berlinerin und Ossi zeitweise etwas vom anderen Stern bin, weil hier viele Dinge ein bisschen anders funktionieren.)
Ich saß also mit Martin bei schönstem Maiwetter in einem Café auf dem Marktplatz und bestellte mir ein Glas Maibowle, was auch nicht lang auf sich warten ließ. Ich nahm das Glas in die Hand und …
Äh, Schatz, ich glaub, die haben mir ein dreckiges Glas gegeben, da schwimmt was drin.
Martin guckte mich an, als hätte ich ihm gerade auf Suaheli erklärt, dass er der Sohn einer eingelegten Gurke sei.
Äh, du hast dir doch Maibowle bestellt. Das ist Waldmeister, was da im Glas ist. Die machen die Bowle hier selbst, da kann es schonmal vorkommen, dass ein bisschen Waldmeister im Glas landet.
Ich war total platt, weil ich sowas nicht kannte. Selbstgemachte Maibowle! Ein ähnliches Erlebnis hatte ich, als ich Martin voller Freude erzählte, dass unser hiesiger Supermarkt wieder Federweißer verkaufte. Der gleiche perplexe Gesichtsausdruck mit anschließender, kopfschüttelnder Fahrt zum Winzer.
Aber so kennt man mich inzwischen
Die Sparschäler-Verschwörung
Irgendwo da draußen, versteckt im Untergrund oder auf einer geheimen Insel, die in keiner Karte verzeichnet ist, existiert die Sparschäler-Mafia. Alle Sparschäler werden dort für nur eine Aufgabe in einem harten Training ausgebildet: Sie kommen zu uns, unschuldig verpackt in Papier oder Plastik, erfüllen ein paar Wochen treu ihren Dienst, so dass wir ihnen voll und ganz vertrauen und dann, wenn wir nicht damit rechnen, machen sie sich wieder klammheimlich aus dem Staub und wir stehen da und müssen die Kartoffeln mit dem Messer schälen.
(Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich so verpeilt bin und jetzt schon zum 10. Mal den Sparschäler ins Zeitungspapier mit den Kartoffelschalen eingewickelt und alles zusammen weggeworfen habe. Wirklich nicht!)
Und dann gibt es noch die geheime Küchenmesser-Mafia. Die Messer werden darauf trainiert, nur Butter schneiden zu können. In Kooperation mit der Sparschäler-Mafia ist das ne ganz gemeine Sache, dann muss man nämlich Nudeln kochen!
Papierkram
In weiser Vorraussicht habe ich mich heute dazu aufgerafft, meine ganzen Papiere einzusortieren, die sich schon seit geraumer Zeit auf meinem Schreibtisch türmen. Denn da im Mai unser Baby kommt, beginnen ab März die ersten Behördengänge und da eine Menge Bürokratie auf uns zukommt, wollte ich jetzt schon Ordnung in meine Unterlagen bringen.
Das hab ich auch geschafft. Mein Schreibtisch biegt sich nicht mehr, alles ist an seinem Platz und griffbereit.
Und ich habe die Schnauze voll vom Sortieren, Lochen und Einheften!
Schnee zum Feierabend
Als ich heute auf der Arbeit saß, konnte ich zusehen, wie mein Auto zuschneite. Na wunderbar, dachte ich mir, was soll das geben, wenn ich nach Hause fahre. Die Straßen waren bis zum Feierabend natürlich noch nicht geräumt und ich tuckerte mit 50 (statt erlaubten 120 km/h) in einer Kolonne über die Bundesstraße. Alles war weiß und von der Straße nichts zu sehen! So viel Panik beim Autofahren, wie in letzter Zeit, hatte ich schon lang nicht mehr. Ich bin zwar spät, aber dafür heile angekommen! Andere hatten da nicht so viel Glück. Den Weg säumten Unfallautos und umgefahrene Straßenschilder. Heute kriegt mich keiner mehr aus dem Haus! Aber morgen früh muss ich wieder. Leider.