Auto und Verkehr damals und heute

Ich wuchs im Ostteil Berlins auf und meine Erinnerungen beziehen sich auf meine Kindheit/ Jugend in der DDR. Vor unserem Wohnblock befand sich ein kleiner Parkplatz. Gerade groß genug für die handvoll Autos. Wenn man morgens losfuhr, konnte man sicher sein, dass man abends sein Auto auf denselben Platz wieder abstellen konnte. Aber wir erledigten auch viele Dinge zu Fuß. Unsere Kaufhalle in der Rüdigerstraße hatte noch nicht mal Parkplätze, so wie man es heute von den Supermärkten kennt. Damals waren fast alle Straßen noch Spielstraßen, weil einfach so wenig Autos fuhren.
Einmal habe ich mich total verfahren. Ich stieg von einem Bus in den anderen und war richtig froh, als ich den Fernsehturm sah, denn von da an kannte ich mich wieder aus.
Ein anderes Mal drückte ich in der Straßenbahn versehentlich die Notbremse. Das war vielleicht peinlich! :oops:
Burkhards erstes Auto war ein Moskwitsch – den wir dann rot lackierten, mit schwarz getupftem Dach. Wir haben ihn für 3000,- Mark gebraucht gekauft. Für DDR-Verhältnisse fast ein Schnäppchen. Wir nannten ihn liebevoll Mossi und hegten und pflegten ihn. Im Winter stellte Burkhard einen Katalytofen hinein, damit er von innen nicht zufror. Danach legten wir uns einen Trabbi zu, der schon wesentlich mehr kostete und der uns von Anfang an nur Scherereien machte. So hangelten wir uns von einem Gebrauchtwagen zum nächsten. Bis wir 1888 einen nigelnagelneuen gletscherblauen Trabant 601 bekamen.
Und wie ist es heute? Ich brauche euch sicher nichts von den chaotischen Verhältnissen in den Großstädten erzählen. Den einzigen Vorteil sehe ich in der Breite der öffentlichen Verkehrsmittel. Wenn sie nicht bestreikt werden
In den ländlichen Regionen ist es genau umgekehrt. Ohne Auto ist man wirklich aufgeschmissen, denn der öffentliche Nahverkehr ist (nicht nur) für Berufstätige eine echte Katastrophe.
Die Benzinpreise sind der absolute Hammer. Keiner weiß, wo das noch endet.
Ich hätte nichts dagegen, wenn man einmal im Monat einen autofreien Sonntag einführen würde. Obwohl wir sonntags auch gerne Ausflüge in die nähere Umgebung machen. Darüber muss ich also noch mal nachdenken
Ich kann auch heute noch kein Auto fahren. Trotzdem spürte ich immer eine gewisse Neugier, wie es sich wohl anfühlt, wenn man mit dem Auto fährt. Nicole und Martin wussten davon und schenkten mir eine Übungsstunde auf einem Trainingsplatz. Nach einer kurzen Einweisung ging es auch schon los. Immer im ersten Gang, mehr wollte ich gar nicht wissen. Ich kam mir vor, wie Kadett Hooks in “Police Academy”. Irgendwann fand Martin, dass ich bereits lange genug im Kreis gefahren bin und schlug mir vor, mal über den Hügel zu fahren. Ich fühlte mich total überfordert und nahm vorsichtshalber meine Hände vom Lenkrad, obwohl mein Fuß immer noch mit leichtem Druck auf demGaspedal ruhte. Das war gar nicht gut. Also ging ich zum Angriff über. Ich klammerte mich ans Lenkrad, gab richtig Gas und bretterte über den Hügel! Martin und Nicole, die nach dieser halsbrecherischen Aktion ein bisschen blass um ihre Nasen aussahen (schließlich war es ihr Auto), waren froh, als ich wieder meine Runden drehte. Nach einer Stunde 45 Minuten war ich total erledigt. Nun weiß ich in etwa, wie sich Autofahren anfühlt


das ist ein tolles Projekt und die verschiedenen Erinnerungen lesen sich sehr interessant, gerade weil sie aus verschiedenen Zeiten und Orten stammen.
Über den Trabant von 1888 bin ich auch gestolpert, da musste ich schon lachen!
gruss und Danke fürs Organisieren!
Tine
Ach, schön, von diesen Erfahrungen zu lesen. Damals in Thüringen dachte ich schon, dass ich gerne mehr über das Leben in der damalligen DDR wissen würde.
@Elke: Du hast Recht, mit den Jahreszahlen war ich etwas knauserig
Danke für Dein Kompliment, das gebe ich aber auch gerne zurück!
LG Elke Z.
Irgendwie habe ich bei dir eine Jahresangabe vermisst, aber ich weiß ja, dass du ähnlich alt bist wie ich – das heißt, ich dachte es bisher. Aber wenn ihr euren Trabant 1888 bekommen habt, dann staune ich jetzt Bauklötzer *gg*.
Lieben Gruß (und du hast dich gut gehalten)
Elke
[...] könnt ihr meine bisherigen Beiträge lesen: “Auto und Verkehr damals und heute” “Esskultur damals und [...]
Ich musste richtig lachen bei dem Artikel, haste wirklich schön geschrieben. Und das du sogar noch ein altes Foto hast! Toll!
alles,alles liebe zum geburtstag. hdgdl und vermiße dich. drück dich ganz doll, küßi heike