Das doppelte Lottchen

Schon als Kind las ich gerne und ging regelmäßig in die Bibliothek. Mein Lieblingsbuch war „Das doppelte Lottchen“ von Erich Kästner. Weil es auch von anderen Kindern gern gelesen wurde, musste man es vorbestellen und lange Wartezeiten in Kauf nehmen. Eines Tages war es endlich soweit. Meine Bibliothekarin teilte mir per Postkarte mit, dass mein bestelltes Buch da sei. „Das doppelte Lottochen“ verschlang ich in drei Tagen. Am liebsten hätte ich das Buch selbst besessen, damit ich es, wann immer ich wollte, lesen konnte. Doch dieses Buch gab es in keiner Buchhandlung zu kaufen. Da hatte ich eine glänzende Idee. Ich schrieb das Buch einfach ab. Ich kaufte mir ein liniertes A4 Heft. Mit Hilfe von Butterbrotpapier pauste ich das Titelbild des Buches ab und malte es aus. Anschließend klebte ich es auf das Deckblatt meines Heftes und begann mit dem Abschreiben. Doch das Abschreiben dauerte wesentlich länger, als ich dachte. Ich verlängerte in der Bibliothek zweimal die Ausleihzeit. Trotzdem wurde ich nicht fertig. Dann musste ich das Buch wieder abgeben und ließ mich abermals auf die Warteliste setzen. Als ich mir das Buch wieder ausleihen konnte, half mir sogar meine Mutti beim Abschreiben, weil mir schon das Handgelenk wehtat. Diese Prozedur zog sich über ein Jahr hin und irgendwann gab ich das Projekt auf.
Ich brauche wohl nicht zu erwähnen, dass „Das doppelte Lottchen“ seit der Wende in meinem Bücherregal steht. Und mein selbst geschriebenes „Buch“ habe ich auch noch.

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